Als freiberufliche Grafikerin arbeiten + Kind? Geht das? Die Einsicht, die ich für mich gewonnen habe: Ohne meine Tochter, hätte ich wirkraum® nicht gegründet! Ihr wundert euch? Die meisten Leute sagen dir, dass du dich möglichst vor einer Schwangerschaft selbständig machen solltest. Mit Kind sei es umso schwieriger und kaum zu wuppen. Zu meiner Schande muss ich gestehen: bei mir war es genau anders. Durch meine Tochter bin ich erst auf die Idee gekommen, mich selbständig zu machen!
Während ich mit meiner Tochter schwanger war, befand ich mich in einer zeitlich befristeten Anstellung und da begannen nun die fieberhaften Überlegungen, wie es nach der Elternzeit beruflich mit mir weiter gehen soll. Mamis mit Kind sind in Werbeagenturen leider Gottes nicht sonderlich gefragt, da sie eher nicht zu Überstunden und Wochenendarbeit „taugen“. Und die Teilzeitstellen sind in der Werbebranche auch nicht gerade üppig gesäht. So fasste ich den Entschluss, zunächst ganz klein als freiberufliche Grafikerin zu starten. Finanzielle Rückendeckung schaffte uns die Festanstellung meines Mannes.

Die Gründungsphase war recht hart. Das kennt sicher jeder Gründer… Der ganze Papierkram und Behördenwust, in den man sich erst einmal einarbeiten muss, empfand ich als sehr anstrengend. Besonders wenn einem als Bildermensch solch Zahlenmaterie nicht sonderlich liegt. Aber auch mein Businessplan war irgendwann einmal fertig und zum Glück hatte ich einen tollen Gründercoach, der mich tatkräftigt unterstützt hat. Nicht zu vergessen auch mein Mann, der immer hinter mir stand, auch wenn das Chaos in meinem Kopf mich oft an den Rand meiner Belastbarkeit brachte und ich kurz davor war, wieder alles hinzuschmeißen.

In der Anfangszeit von wirkraum arbeitete ich von daheim aus und baute mir ganz rudimentär in der Ecke im Wohnzimmer meine „Arbeitsnische“ mit Rechner und Schreibtisch. Kontakte hatte ich genug, so dass in der Anfangszeit die ersten zaghaften Aufträge gesichert waren. Gesichert war auch die Tagesmutter für meine Tochter, welche sie in der Anfangsphase drei Tage in der Woche betreute als sie ein Jahr alt war. Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass dies nicht mehr reichte, da die Aufträge immer mehr und umfangreicher wurden. Gottseidank war unsere „Siggi“ sehr flexibel und wir konnten unsere Tochter zur Betreuung auch an anderen Tagen zu ihr bringen.

Im Allgemeinen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es umso einfacher wird, je älter und selbständiger die Kinder werden. Nun geht unsere „Lütte“ schon das zweite Jahr zur Schule. Mittags macht sie (meist fleissig) ihre Hausaufgaben. Da möchte ich als Mutter für sie da sein und wir verbringen gemeinsam die Mittagszeit. Die Selbständigkeit machts möglich! Ich kann mir meine Zeit flexibel einteilen und wenn sie nachmittags eine Freundin besucht, kann ich wieder ins Büro und meiner Berufung, dem Grafikdesign, nachgehen. Ein weiterer Vorteil neben der Flexibilität ist die Effizienz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man wesentlich zielstrebiger an Projekten arbeitet, je genauer deine Zeit definiert ist, die dir zur Verfügung steht. Kein stundenlanges Rumdaddeln vor dem Rechner … Komme ich morgens in mein Büro, weiss ich was angegangen werden muss und ziehe da auch durch. Das wissen auch meine Kunden zu schätzen.

Mein Büro habe ich hier in unserem Haus seit wir eingezogen sind komplett ins helle und luftige Dachgeschoss verlagert, so dass ich hier jede Menge Raum für „wirkraum“ habe. Der zweite Arbeitsplatz für etwaige Stoßzeiten, an dem ein/e zweiter Mann/Frau sitzen kann ist auch vorhanden. Manchmal wird er aber auch für die Hausaufgaben oder als Homeoffice von meinen Mann genutzt. 😉

Als Working Mum ist mir die Balance zwischen Beruf und Familie besonders wichtig. Obwohl es schon Zeiten gab, in den eilige Aufträge auch an Wochenende und nachts meinen Einsatz forderten, habe ich als Freiberuflerin in anderen Phasen, in denen es etwas gemächlicher läuft, dann wieder besonders viel Zeit für meine Lieben.

Mein Fazit: Ich bereue nichts! Es war die beste Entscheidung für mich und meine Familie, den Schritt in die Selbständigkeit als Grafikdesignerin zu wagen.